Vitamin B12 Mangel und Depressionen

In den letzten Jahren ist der Zusammenhang zwischen einem Vitamin B12 Mangel und Depressionen immer offensichtlicher geworden. Vitamin B12 wird nicht nur für die Gesundheit der Psyche und des Gehirns benötigt, sondern auch für die Steuerung des Zentralnervensystems. Besteht ein Mangel an Vitamin B12, kommt es zu den unterschiedlichsten Fehlfunktionen des Gehirns.

 

Wer ist gefährdet, unter einem Vitamin B12 Mangel zu leiden?

Da der menschliche Organismus Vitamin B12 selber nicht herstellen kann, gehören zu den Risikogruppen Menschen, die sich nicht ausgewogen ernähren oder einen besonders hohen Vitamin B12 Bedarf haben. Vegetarier, die sich rein vegetarisch ernähren, sich aber mit den Inhaltsstoffen der verschiedenen Lebensmittel nicht wirklich auskennen, gehören zur Risikogruppe der Menschen, die einen Vitamin B12 Mangel bekommen könnten. Vegetarier, die sich intensiv damit beschäftigen, welche Vitamine existenziell wichtig, aber in pflanzlichen Lebensmitteln kaum vorkommen, greifen zumeist zu Nahrungsergänzungsmitteln. Da veganer keine Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen, die auf tierischer Basis hergestellt wurden, bleiben lediglich chemisch, im Labor hergestellte B12 Vitamine als Ersatz. Krankheiten, wie Leber- oder Darmerkrankungen, die Einnahme spezieller Medikamente oder ein Alkoholmissbrauch, können ebenfalls einen Vitamin B12 Mangel hervorrufen.

Folgende Personengruppen sind ebenfalls gefährdet:

  • Raucher
  • Alkoholiker
  • Kaffeetrinker
  • Sportler
  • gestresste Menschen
  • Schwangere
  • ältere Menschen
  • Menschen, die sich ungesund ernähren

Problematisch ist auch der Umstand, dass eine abwechslungsreiche und traditionelle Ernährung, wie sie früher üblich war, in der heutigen Zeit kaum noch durchgeführt wird. Früher wurden zahlreiche Eintöpfe gekocht, die Gemüse, Fleisch / Fisch, Hülsenfrüchte, aber auch Nüsse und Vollkornprodukte enthielten. In der modernen Küche gelten oft einseitig geprägte Ernährungsphilosophien, oder es fehlt einfach gänzlich die Zeit oder das Wissen, frische Mahlzeiten selber zuzubereiten.

 

Was ist Vitamin B12?

Rein chemisch gesehen gehört das Vitamin B12 zu der Gruppe der Cobalamine. Es handelt sich dabei um organometallische Verbindungen, die in allen Lebewesen vorkommen. Es ist Cobalt (Spurenelement) als zentrales Atom enthalten. Vitamin B12 kann nur über die Nahrung aufgenommen werden, nicht aber vom menschlichen Organismus selber hergestellt werden. Das Vitamin wird über den Dünndarm aufgenommen und gelangt dann direkt in das Blut. Damit es nicht so schnell, zu einem Vitamin B12 Mangel kommen kann, ist die Leber in der Lage, ausreichend viel Vitamin B12 zu speichern, damit der Bedarf von mehreren Jahren gedeckt ist. Die Tagesdosis an Vitamin B12, die Menschen ab einem Alter von 15 Jahren (bis ins hohe Alter) benötigen, liegt bei 3 Mikrogramm.

Nur bei einer ausreichenden Versorgung mit Vitamin B12 können folgende Abläufe im Körper regelrecht verlaufen:

  • die Funktion der Nervenzellen
  • die Bildung roter Blutkörperchen
  • der Stoffwechsel von Nukleinsäure, Kohlenhydrate und Fett

Um den Vitamin B12-Wert bei einem Menschen bestimmen zu können, ist eine Blutabnahme notwendig.

 

Wie zeigt sich ein Vitamin B12 Mangel?

Die Liste der Beschwerden, die auf einen Vitamin B12 Mangel hinweisen, ist lang. Folgende psychische Symptome sind möglich:

  • Gedächtnis- / Konzentrationsschwäche
  • Demenz
  • die kognitiven Fähigkeiten sind eingeschränkt – gestört
  • Katatonie
  • Depressionen
  • Manie
  • Schizophrenie
  • Paranoia, Wahnvorstellungen, Halluzinationen
  • Psychosen
  • Delirium
  • Lustlosigkeit
  • Verwirrtheit
  • Burn-out
  • Reizbarkeit
  • Schlafstörungen
  • Benommenheit
  • Persönlichkeitsstörungen
  • das Gefühl von Schwäche
  • Nervosität
  • permanente Müdigkeit
  • Nervenschmerzen
  • Muskelzittern
  • Taubheitsgefühle oder Kribbeln in Füßen und Händen
  • Infektanfälligkeit
  • Blässe
  • Magen- und Darmerkrankungen
  • Anämie (Blutarmut)
  • Appetitlosigkeit
  • Entzündungen im Mund- und Rachenraum
  • Sehstörungen
  • grobmotorische Koordinationsstörungen
  • vermehrtes Ergrauen der Haare
  • Inkontinenz
  • Lähmungen
  • Untergewicht
  • Unfruchtbarkeit
  • geringes Gehirnvolumen
  • Arteriosklerose
  • Krämpfe und Spastiken
  • Hirn- und Herzinfarkte

Bei einem sehr lang anhaltenden Mangel an Vitamin B12 kann es zu Mangelerscheinungen kommen, die dauerhaft sind. Sie können nicht mehr durch die Gabe von Vitamin B12 therapiert werden. Für die geistige und körperliche Gesundheit ist nicht nur alleinig das Vitamin B12 wichtig, sondern es werden alle B-Vitamine vom Vitamin B-Komplex benötigt.

Besteht der Verdacht, dass psychische Symptome durch einen Mangel an Vitamin B12 zurückzuführen sind, ist eine Bestimmung der Vitamin B12 Konzentration im Blutserum alleine nicht aussagekräftig genug. Die Vitamin B12-Konzentration sollte in dem Fall auch in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit bestimmt werden.

 

In welchen Lebensmitteln ist Vitamin B12 vorhanden?

Vitamin B12 ist verstärkt in tierischen Lebensmitteln vorhanden, weil das Vitamin B12 von bestimmten Mikroorganismen produziert wird, die zumeist im Dickdarm leben. Aufgenommen wird Vitamin B12 aber im Dünndarm, daher müssen auch die meisten Tiere das wichtige Vitamin über die Nahrung aufnehmen. Wiederkäuer stellen eine Ausnahme dar, weil diese in ihrem Pansen das Vitamin herstellen können. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass reine Pflanzenfresser, die nicht wiederkäuen, hin und wieder den Kot anderer Tiere fressen, weil dieser ausgeschiedenes Vitamin B12 enthält. Da nicht nur beim Menschen, sondern auch bei Tieren das Vitamin in der Leber gespeichert werden kann, enthalten die tierischen Innereien einen besonders großen Anteil an Vitamin B12.

Trotzdem finden sich auch in verschiedensten Käsesorten, wie z. B. dem Camembert hohe Vitamin B12-Werte, weil diese sich produktionsbedingt ergeben.

Da das Vitamin hitzeempfindlich ist, kann der Verzehr von bestimmten Käse- oder Fischsorten, auch von Eiern eine bessere Vitaminversorgung mit sich bringen, als ausschließlich der Verzehr von Fleisch. Es werden für die Aufnahme des Vitamins zusätzlich noch bestimmte Eiweißstoffe (Molekül), die häufig in Käse oder Fisch natürlich enthalten sind. Es kommt daher nicht immer nur zwangsläufig auf den Vitaminanteil in einem Lebensmittel an, sondern auch auf die anderen Inhaltsstoffe.

 

Besonders reich an Vitamin B12 sind folgende tierische Lebensmittel:

  • Eier
  • Fisch
  • Fleisch
  • Milchprodukte

Besonders hoch sind die Vitamin-B12-Vorkommen in folgenden Lebensmitteln:

  • Emmentaler, Camembert, Gouda
  • Rinderleber, Kalbsleber, Lammleber
  • feine Leberwurst
  • Leberknödel
  • Hüttenkäse
  • Kaviar
  • Austern, Miesmuscheln
  • Kaninchen
  • Makrele, Hering, Forelle, Thunfisch, Rotbarsch, Seelachs
  • Wildschwein
  • Lamm
  • mageres Rind
  • Gans, Ente (Brust)
Fettiger Seefische wie Hering und Makrele gehören zu den besten Lieferanten von Vitamin B12

Pflanzliche Lebensmittel, die Vitamin B12 enthalten

In pflanzlichen Lebensmitteln findet sich kaum Vitamin B12, lediglich in folgenden fermentierten Lebensmitteln sind geringe Mengen des Vitamins enthalten:

  • Sauerkraut
  • Chlorella-Algen
  • Bier
  • Nori-Algen
  • Tempeh

Andere vegane, die das Vitamin B12 enthalten gibt es nicht. Es ist daher nur durch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln möglich, den Tagesbedarf an Vitamin B12 konstant dem Organismus zuführen zu können. Allein durch den Verzehr von Sauerkraut, Algen, Tempeh und den Genuss von Bier, ist dies ansonsten nicht möglich.

 

Warum kann Vitamin B12 bei Depressionen hilfreich sein

Eine Depression ist eines der Symptome, die bei einem Mangel an Vitamin B12 auftreten. Die Depression gehört zu den Beschwerden, die durch einen gesteigerten Vitaminspiegel wieder vollkommen ausheilen. Immer mehr Ärzte haben den Zusammenhang zwischen dem Vitamin B12 Spiegel und einer Depression erkannt, und verordnen daher bewusst aus therapeutischen Gründen das Vitamin. Da viele Menschen unter Aufnahmestörungen leiden, verordnen die meisten Ärzte die Vitamingabe besonders hoch, damit eine Verbesserung der Depressionen spürbar wird. Es ist aber noch unerforscht, ob die Gabe des Vitamins nicht noch an andere Therapeutika gekoppelt werden muss. Es lassen sich nicht bei allen Patienten mit Depressionen diese mit Gaben von Vitamin B12 lindern oder ausheilen.

Warum das Vitamin B12 therapeutisch gegen Depressionen wirksam ist, konnte von den Forschern noch nicht vollkommen geklärt werden. Depressionen treten fast immer im Zusammenhang mit Entzündungen im Körper auf, daher liegt die These nahe, dass der Organismus das B-Vitamin benötigt, damit die vorhandenen Entzündungen im Körper ausheilen können. Ebenso, wie z. B. Hanföl, das Entzündungen entgegenwirkt, leistet auch das B-Vitamin eine merkliche Unterstützung beim Kampf gegen Entzündungen und chronischen Entzündungen.

Wird Vitamin B12 alleine verabreicht, ohne Folsäure, können positive Veränderungen des Befindens nur selten festgestellt werden. Es ist daher von entscheidender Wichtigkeit, dass Vitamin B12 und Folsäure in Kombination verabreicht werden. Das Vitamin kann in vielen Fällen Depressionen lindern, aber nicht vollkommen therapieren. Manchmal werden von den behandelnden Ärzten auch Depressionen mit anderen psychiatrischen Erkrankungen verwechselt, bei denen die Symptome ähnlich sind. Bei einer Vitamintherapie ist daher vom behandelnden Arzt sehr viel Fingerspitzengefühl gefordert, damit die Behandlung nicht zu einseitig erfolgt.

 

Wie kann die richtige Dosierung gefunden werden?

Bei der Behandlung einer Depression mit Vitamin B12 sollte sich der behandelnde Arzt erst einmal einen Überblick darüber verschaffen, wie hoch der Vitamingehalt im Gehirn des Patienten ist. Dieser Wert kann in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit bestimmt werden. Vitamin B12 ist in folgenden Varianten im Handel erhältlich:

  • als Lutschtabletten
  • Kapseln
  • Ampullen (Injektionen)
  • Tropfen
  • synthetisch hergestellt (vegan)
  • bioaktiv

Welches Präparat für den Patienten das richtige ist, kann nur ein Arzt entscheiden, der sich auch über die Ernährungs- und Lebensgewohnheiten seiner Patienten informiert. Es lohnt sich, den Patienten oder seine Angehörige darum zu bitten, über vier Wochen hinweg ein Tagebuch zu führen, in dem sämtliche Aktivitäten und Nahrungsaufnahmen (inklusive Getränke) aufgeführt werden können. Nur so ist für einen Arzt ersichtlich, welche Ernährungssünden bei einem Patienten bestehen oder nicht.

Es wird dann ersichtlich, ob die Deckung des Vitamin B12 – Bedarfs nicht eigentlich bereits mit der Nahrung erfolgt sein müsste. Sollte das Vitamin mit der Nahrung in ausreichendem Maße täglich aufgenommen werden, kann es sich um eine Aufnahmestörung handeln. Daher sind die Ergebnisse der Analyse der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit so wichtig. Mit einem ausreichenden Hintergrundwissen ist es dem behandelnden Arzt dann eher möglich, die passende Dosierung, das richtige Präparat und evtl. eine notwendige Kombination aus verschiedenen Präparaten finden zu können.

 

Welche Nebenwirkung kann eine Vitamin B12 Therapie haben?

Um eine Unterversorgung von Vitamin B12 vermeiden zu können, sind manche Ärzte recht großzügig, wenn es um die Dosierung des Vitamins geht. Der Bedarf eines Erwachsenen liegt bei 3 Mikrogramm pro Tag. Nicht wenige Ärzte verordnen ihren Patienten etwa 500 Mikrogramm pro Tag. In den letzten Jahren fanden sich immer mehr Kritiker, die auf einen Zusammenhang von Krebserkrankungen und zu hohen Dosierungen von Vitamin B12 hinweisen.

Immer mehr Ärzte warnen vor Überdosierungen, wenn es um die Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln geht. Eine aktuelle Studie zeigt auf, dass das Risiko an Krebs zu erkranken steigt, wenn das Vitamin B12 überdosiert wird. Das heißt aber nicht, dass das Vitamin selber Krebs auslösend ist. Die erwähnte Studie weist nur auf einen Verdacht hin, beweist diese These aber nicht.

Bei einer dänischen Forschungsreihe wurde die Häufigkeit einer Tumorerkrankung bei verschiedenen Testgruppen ausgewertet. Hierbei wurde auch der Vitamin B12-Spiegel bei den Testpersonen gemessen. In der Statistik fiel auf, dass bei den Testpersonen, die einen erhöhten Vitaminwert aufwiesen, sich häufiger Tumore entwickelten.

 

Fazit:

Wie wirksam die Gabe von Vitamin B12 bei Depressionen ist, scheint vom Einzelfall abzuhängen. Manche Patienten reagieren besonders gut auf das Vitamin, bei anderen ist keine Besserung der Beschwerden erkennbar. Aufmerksame Ärzte können das Vitamin in einen breit gefächerten Therapieansatz mit einbauen.

Aufgrund neuester Studien ist nicht auszuschließen, dass eine Überdosierung des Vitamins das Risiko einer Krebserkrankung steigert. Ärzte sollten daher bei einer Therapie immer die Nutzen und Risiken gegeneinander abwägen. Während einer Behandlung mit dem Vitamin zeigt sich dann, ob das Vitamin B12 überhaupt überdosiert werden muss, oder ob eine Gabe, die den Tagesbedarf abdeckt und die körpereigenen Speicher in der Leber auffüllt, nicht ausreicht. Solange keine Überdosierung erfolgt, steigt auch das Risiko einer Tumorerkrankung nicht an.

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2 thoughts on “Vitamin B12 Mangel und Depressionen

  1. Sehr nützliche Informationen zum Thema Vitamin B12! Ergänzende Informationen finden sich auch noch hier: http://www.vitaminexpress.org/b12/Mein Körper konnte von Geburt an Vitamin B12 nicht richtig verarbeiten, weshalb mein Spiegel chronisch zu niedrig war. Wurde Gott sei Dank früh genug festgestellt und ich supplementiere es ganz einfach.

    Grüße, Lars

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