Der Einfluss der Pharmaindustrie und weitere Gründe, warum Ärzte Depressionen fast immer mit Medikamenten behandeln

Wer mit Depressionen zum Arzt geht verlässt die Praxis fast immer mit einem Rezept für Antidepressiva. Nur wenige Ärzte verordnen eine Psychotherapie. Dafür gibt es in erster Linie zwei Gründe. Einmal ist der Einfluss der Pharmaindustrie auf das Verhalten der Ärzte größer, als viele wissen. Daneben haben viele Ärzte nicht gelernt, dass es auch andere Methoden gibt, Depressionen zu behandeln.

Die großen Pharmafirmen sind eine starke Wirtschaftsmacht in Deutschland. Der Umsatz betrug 2018 über 40 Milliarden Euro. Prognosen gehen davon aus, dass dieser in den nächsten Jahren sogar noch ansteigen dürfte. Hinzu kommt ein starker Einfluss auf die Entscheidungsträger in der Politik. Viele Ärzte haben keine Zeit sich regelmäßig unabhängig fortzubilden. Sie verlassen sich auf die Informationen der Pharmaindustrie. Täglich kommen Pharmareferenten in die Praxis, die auch Psychopharmaka vertreten. Die Werbematerialien überzeugen die Ärzte von der Wirksamkeit und den geringen Nebenwirkungen der Medikamente.
Auf der anderen Seite erwarten die Patienten vom Arzt ein Medikament, das ihr Leiden möglichst schnell lindert. Auch im Studium lernen die Ärzte, wie sie Depressionen durch Medikamente behandeln.
Viele wissen zwar von anderen Behandlungsmöglichkeiten, doch die meisten Ärzte gehen auf Nummer sicher. Wenn der Arzt aufgrund ihrer Behandlung nicht gesund wird oder sich sein Zustand sogar noch verschlechtert, befürchten sie Regressforderungen des Patienten. Dabei geht es nicht darum, ob der Arzt dem Patienten einen Schaden zugefügt hat. Ein Kunstfehler ist oft schon dann gegeben, wenn der Arzt entgegen der vorherrschenden Meinung handelt. Leider ist das bei alternativen Behandlungsmethoden der Depression oft der Fall.

Neben dem Einfluss der Pharmaindustrie spielen auch die Krankenkassen eine Rolle. Zu jeder Behandlung existiert eine sogenannte medizinische Diagnoseschlüssel, den die Ärzte mit ICD abkürzen. Jede Krankheit wird dadurch eindeutig klassifiziert. Zu jeder Krankheit gibt es eine bestimmte Therapieform, welche von den Krankenkassen bezahlt wird. Problematisch wird es, wenn eine Krankheit nicht in dieses Schema passt. Bei Depressionen gibt es zwar mehrere Klassifizierungen, doch diese reichen kaum aus, um diese komplexe Krankheit zu beschreiben. Nur wenn die Krankheit des Patienten in das Raster passt, ist es möglich, die Kosten über die Krankenkasse abzurechnen. Ansonsten bekommt der Arzt kein Geld. Die meisten Ärzte sind auf die Zahlungen der Krankenkassen angewiesen. Nur wenn das Geld regelmäßig fließt, ist ihr wirtschaftliches Fortkommen gewährleistet.

Alternative Behandlungsmethoden werden von Medizin, Pharmaindustrie und den Krankenkassen kaum akzeptiert. Bis 1992 durften Mitgliedern der American Medical Association (AMA) nicht einmal mit Anhängern der alternativen Medizin Kontakt aufnehmen. Auch wenn das heute nicht mehr gilt, hat die alternative Medizin bei vielen Ärzten einen schlechten Ruf. Sie denken, dass die klassische Behandlungsmethode überlegen ist. Zwar erhalten die Ärzte Informationen über gesunde Ernährung, Kräuterkunde oder Traditionelle Chinesische Medizin, doch diese werden dem Patienten kaum oder höchstens als ergänzende Behandlung weitergegeben. Dadurch verhindern Ärzte, dass sich Patienten ganzheitlich mit ihrer Krankheit auseinandersetzen.

Der Mensch ist eine Einheit aus Körper, Seele und Geist. Erst wenn Ärzte diesen Zusammenhang begreifen und in ihre Therapie mit aufnehmen ist eine optimale Behandlung der Depression möglich.

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